brandstätters Report

Intelligentes Leben - im Weltraum. Und der neue Corona-Kanzler 

7. November 2021

Bildquelle: ESA, Josef Aschbacher

Ich habe mir ja vorgenommen, in der Politik immer die Wahrheit zu sagen. Also: Ich bin kein Experte für den Weltraum. Aber ich bin fasziniert von der Geschichte der Erde, der Entstehung der Welt und von allen Möglichkeiten, die sich der Menschheit noch bieten werden. Inklusive des Auffindens intelligenten Lebens, das es wenigstens außerhalb des Erdkreises geben sollte. Aber im Ernst, dieses Interesse wurde vor einigen Jahren anlässlich einer Diskussion bei ServusTV geweckt, die ich leiten durfte. Da hat Lisa Kaltenegger sehr eloquent erklärt, dass es eher wahrscheinlich sei, Leben außerhalb der Erde zu finden. Lisa Kaltenegger ist eines dieser Genies, das in Österreich geboren wurde, sie forscht und unterrichtet im Moment an der Cornell University in den USA.

Und an sie musste ich denken, als wir diese Woche im Ausschuss über die ESA diskutierten, die European Space Agency, die seit kurzem von einem Tiroler geleitet wird, Josef Aschbacher. Vom Ellmauer Bergbauersohn zum ESA-Chef geht der direkte Weg eines neugierigen Wissenschaftlers, der gut kommunizieren kann. Das bewies er, per Zoom aus Paris zugeschaltet im Ausschuss, wo er uns das Programm der ESA erklärte und unsere Fragen beantwortete. Seit einem Besuch bei der RUAG AG, die in Berndorf unter anderem Wärmedämmstoffe für Raketen erzeugt weiß ich, dass es für Unternehmen wichtig ist, dass die nationalen Regierungen möglichst hohe Beträge an die ESA leisten, das erhöht die Chance für Aufträge. Und leider hat Österreich in der Regierungszeit Bierlein nicht die Beiträge entsprechend erhöht. Das müssten wir dringend nachholen. Denn gerade Klein- und Mittelbetriebe in unserem Land sind sehr erfolgreich in Sachen Weltraum und sie würden davon profitieren. Also werden wir beantragen, dass der Beitrag Österreichs von derzeit rund 54 Millionen Euro verdoppelt wird, wie das auch Aschbacher fordert. Die Schweiz zahlt mehr als drei Mal so viel ein. Normalerweise lehnen die Regierungsparteien Anträge der Opposition ab. Wir werden sehen..
 
 
Brain Drain
 
Einen Brain Drain, also die Abwanderung besonders gut ausgebildeter Personen, erleben im Moment alle Balkan Staaten. Aber das trifft auch Österreich, wie wir im Ausschuss wieder gelernt haben. Der Österreicher Peter Platzer hat hier an der Entwicklung von Nanosatelliten gearbeitet, die Daten für die Schiff- und Luftfahrt sowie für die Wetterprognose sammeln können. Er wollte in Österreich ein Unternehmen aufbauen, aber zu viel Bürokratie und zu wenig Venture Capital haben ihn daran gehindert. Also ist er ins Silicon Valley gegangen, und hat vor kurzem seine Spire AG an die Börse gebracht.
 
Wir müssen schön langsam aufwachen, und das gilt für alle Bereiche, die Innovation versprechen. Den Zugang von Wissenschaftler_innen für Registerforschung, wie wir ihn jetzt beschließen, gibt es in Dänemark seit 15 Jahren. Österreich ist eben nicht so gut, wie uns die Propaganda schon vor Corona und seither noch massiver einreden will.
 
 
Die Landeshauptleute sind zurück
 
Mit Corona müssen wir zurück zur österreichischen Innenpolitik. Wie deprimierend. Thomas Stelzer hat in Oberösterreich einen Wahlkampf geführt, als hätte sich nie Covid-19 um die Erde bewegt. Sein FPÖ Stellvertreter verdankt nur der Spitzenmedizin und dem bis zur Erschöpfung kämpfenden medizinischen Personal das Leben. Aber über einen sinnvollen Schutz vor dem Virus haben die beiden Helden nie geredet, dass Impfen sinnvoll und wichtig ist, hätten sie auch nie gesagt. Ein wahrer Mann in der Politik zeichnet sich durch Angst vor den Wähler_innen aus. Nach dem Wahltag sinkt der Angstpegel, während die Zahl der Infizierten gerade in Oberösterreich dramatisch stieg. Ein Viertel der knapp 10.000 Infizierten wurde gestern in Oberösterreich festgestellt. Also hat es jetzt endlich auch die Landesregierung verstanden - Wir haben ein Problem. So viel zu intelligentem Leben auf der Erde. Dabei hat es Stelzer ja leicht. Er kann immer sagen, dass er seinem Parteiobmann vertraut hat. Und der hat die Pandemie schon im Juni für beendet erklärt.

Heute-Chefredakteur Nusser, dessen Newsletter ich nur empfehlen kann, hat am Donnerstag die vielen widersprüchlichen Erklärungen von Kurz aufgelistet - vom „Licht am Ende des Tunnels“ bis zu „die Pandemie ist gemeistert.“ Je nach Umfrage. Fragt sich nur, wer die Umfragen jeweils gefälscht hat. Profiteure der wachsenden Unsicherheit und der Implosion der ÖVP Führung sind die Landeshauptleute. Sie machen jetzt wieder - wie vor Kurz - was sie wollen. Ohne den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig wäre das wohl so weiter gegangen. Aber bei ihm hat man immer stärker das Gefühl, dass er Entscheidungen mit Kopf und Verantwortungsgefühl trifft, nicht auf Umfragen schielend.
 
 
2G - jetzt gilt‘s
 
Die Show ist vorbei, jetzt wird endlich ernsthaft entschieden: Ab 8. November, dem kommenden Montag, gilt in ganz Österreich 2G in Gastronomie, Kultur und Sport. Im gesamten Handel sind wieder FFP2 Masken vorgeschrieben. Das soll einheitlich für Österreich gelten, auch wenn die Bundesregierung das zunächst nicht so geplant hatte. In der ÖVP haben die Landeshauptleute wieder die Zügel übernommen. Aber die Herrschaften haben verlernt, gemeinsam sinnvolle Entscheidungen zu treffen, und der neue Bundeskanzler ist noch nicht in seinem Amt angekommen. Also ist Michael Ludwig so etwas wie der Corona-Regierungschef. Sein Problem: Je überzeugender und erfolgreicher er auftritt, umso stärker wird der Druck auf ihn, Partei und Kanzlerkandidatur der SPÖ zu übernehmen.

Aber eines nach dem anderen: Jetzt müssen wir einmal aus der sich zuspitzenden Krise herauskommen. Da fehlte auch gestern einigen Expert_innen, dass zum 3. Stich aufgerufen wurde. Und vergessen wir dabei nie: Herr Kurz hat uns im Sommer versprochen „Die Pandemie ist gemeistert“ und Herr Blümel hat das erst vor kurzem in der ZiB2 gesagt. Die Kurz-Jahre, die ja vorbei sind, haben vieles verschoben und auch zerstört in Österreich: Unter anderen auch die Fähigkeit der Verwaltung zu rationalen Entscheidungen. PR und Show haben das zerstört. Da wird viel Wiederaufbau nötig sein.

 

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